In Japan wird traditionell sehr viel Tee getrunken. Seit der Tee als Luxusgut für Klöster und den Hof zunächst aus China importiert wurde sind einige Jahrhunderte vergangen. Heute  findet man japanische Tees in allen möglichen Sorten, Formen und Preisklassen. Die Variationsbreite geht hier von sehr günstigem Conbini-cha (Tees aus Plastikflaschen im Convenience Store für 100 Yen) bis hin zu hochqualitativen Gyokurocha aus Uji oder Matcha, der in der japanischen Teezeremonie verwendet werden. Um das Setting der Teezeremonie und die Stolperfallen für unerfahrene Zeremonie-Teilnehmer soll es in diesem Gastbeitrag vom Japan Blog Wanamour gehen!

 

Der Weg des Tee Matcha Teezeremonie
Bambusbesen für Matcha – der Chashaku

Die Bestandteile der traditionellen, japanischen Teezeremonie

Die japanische Teezeremonie ist eine rituelle Zusammenkunft, um gemeinsam Tee zu genießen und gleichzeitig die Konzentration auf das Hier und Jetzt zu schulen. Die Zeremonie unterliegt deshalb strengen Regeln. Diese schreiben vor, wer wo zu sitzen hat, was wer sagen sollte und welche Kleidung etc. erlaubt ist. Dies wird von dem Gastgeber und den Gästen bis aufs Haar genau durch exerziert. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Kunst der Teezeremonie (茶道) über viele Jahre und viele Wiederholungen gelernt wird. Doch die Teezeremonie besteht nicht nur aus der Zubereitung und dem Trinken von Tee, sondern das Erlebnis wird durch die Umgebung unterstützt.

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Teegarten und Warteraum

Der Teegarten ist ein spezielle Art des japanischen Gartens. Er dient dazu, dass der Gast sich mental von den weltlichen Zwängen befreit und sich auf die bevorstehende Zeremonie vorbereitet. Der Garten ist meist so konstruiert, dass er von keinem Punkt aus komplett überschaubar oder einsehbar ist. Da die Teezeremonie und der Zen-Buddhismus in engem Zusammenhang stehen bzw. sich in Japan zusammen entwickelt haben, findet man teilweise typische Zen-Garten-Elemente in einem Teegarten.

Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der “Fluss aus Stein”. Im Garten wird dazu ein künstliches Bachbett (mit deiner kleinen Holzbrücke) angelegt und dann mit hellen oder dunklen Kieselsteinen gefüllt und in Wellenform geharkt. Die Idee dahinter ist, dass der “Bach” nur in der Vorstellung ein Bach werden kann und somit die Vorstellungskraft stärkt. 

Nachdem der Gast den Garten ausreichend bewundert hat und sich gedanklich der realen Welt entledigt hat, begibt er sich zum Warteraum. Der Gast wird dann zur Begrüßung in den Teeraum gebeten, welchen er kniend durch die niedrige Schiebetür betritt. Nach der Begrüßung nimmt der Gast wiederum im Warteraum Platz, während der Gastgeber die Zeremonie vorbereitet. Der Warteraum besteht meist aus einem offenen Pavillon mit einer Sitzgelegenheit. Wo der Gast, wie der Name schon sagt, wartet bis er vom Gastgeber empfangen wird.

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Traditionell eingerichtetes Teehaus

Teehaus und Tokonoma

Das Teehaus ist ein kleines aus Holz oder Bambus gebautes Gebäude, welches von einem Teegarten umgeben ist. Zum Teehaus führt auch immer ein Weg, der nie in gerade Linie verläuft, um möglichst “natürlich” zu wirken. In das Teehaus kommt man durch eine sehr niedrige Schiebetür, die den Besucher nötigt auf die Knie zu gehen. Durch diese Gegebenheit, wird der Gast in eine physisch und psychisch in respektvolle und bescheidene Haltung gebracht und dient der Vorbereitung auf die Zeremonie.

Der Teeraum ist meist ein kleiner Raum mit einer Größe von 4,5 Tatamimatten (Reisstrohmatten). Diese haben in Japan eine genormte Größe. Außerdem ist die Decke meist sehr niedrig, sodass man ab einer Körperhöhe von 1,70 Meter schon Probleme hat aufrecht zu stehen. Dies ist aus dem gleichen Grund so, wie die Höhe der Tür. 

Der Raum ist enthält keine Möbelstücke, aber traditionell eine Feuerstelle, die Werkzeuge für die Teebereitung und das sogenannte Tokonoma. Das ist eine spezifische Nische im Teeraum, in der eine einzelne Kalligrafie, eine Schriftrolle, eine besonders wertvolle Keramik oder ein bescheidenes Blumengesteck steht. Diese einzige Verzierung im Teeraum, soll die Grundlage für ein Gespräch bieten, welches Teil der Teezeremonie ist. 

Teeschalen

Der Weg des Tees Matcha Teezeremonie Grüntee
EIie wunderhübsche Teeschale mit Friends of Tea Matcha!

Das Feld der Teeschalen ist sehr groß und vielfältig. Doch eines der wichtigsten Konzepte, welches seit dem japanischen Mittelalter besteht und schließlich von Sen no Rikyu Eingang in die Teezeremonie fand, heißt Wabi-Sabi. Vorher der Zeit waren eher chinesische Teeschalen beliebt, die möglichst perfekt und kunstvoll bemalt und fragil gestaltet waren. Doch mit dieser neuen Ästhetik-Strömung wurden die “bäuerlich” wirkenden, gröberen Teeschalen ein elementarer Bestandteil der traditionellen Teezeremonie.

Durch die unregelmäßigen Formen kamen auch neue Gebräuche in das Ritual. So dreht man die Teeschale 3 Mal im Uhrzeigersinn (jeweils um ein viertel), um die Schale sowohl optisch als auch haptisch von allen Seiten zu bewundern. Bei regelmäßig geformten und bemalten Teeschalen, machte man dies nicht, da es nicht nötig war. Bei unregelmäßigen Teeschalen im Wabi-Sabi Stil konnte sich jedoch je nach Betrachtungsrichtung ein neues Gefühl einstellen und den Teegenuss noch verstärken.

Achtung: Das sind absolute No-Gos!

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Wie schon erwähnt, wird die japanische Teezeremonie von strengen Regeln begleitet. Doch das sollte dich, als Tourist in Japan, nicht davon abschrecken, an einer Teezeremonie teilzunehmen. Die Grundregeln die du aber auf jeden Fall beachten solltest sind wie folgt:

  • Zieh weiße Socken an. In Japan glaubt man, dass die Farbe “weiß” für Reinheit und Leere steht. Daher ist das Anziehen von weißen Socken ein Zeichen dafür, dass man sich mental auf die Zeremonie vorbereitet hat und bereit ist sich darauf einzulassen. Aber selbst wenn man sich nicht mental vorbereitet hat, sollte man trotzdem weiße Socken anziehen, einfach als Zeichen der Höflichkeit und des Respekts für die Gebräuche.
  • Während der Teezeremonie sitzt man im “Seiza” (auf seinen Knien). Doch da die meisten Touristen, dies nicht gewohnt sind und die meisten Japaner das auch wissen, bieten sie dir manchmal ein kleines Höckerchen an. Es ist keine Schande das anzunehmen, da es so für alle am angenehmsten ist. Du musst dich nicht so quälen und der Gastgeber fühlt sich auch besser bei dem Gedanken, dass du dich nicht quälen musst.
  • Weniger ist mehr. Das bezieht sich hier auch auf alle äußerlichen Sachen, wie Accessoires, Parfüm, Schmuck, Schminke, aufreizende Kleidung und so weiter. Das Ziel der Teezeremonie ist es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die vorgenannten Punkte werden als ablenkend und somit als Störung der Schlichtheit empfunden. Deshalb sollte man die eigene Erscheinung entsprechend unauffällig gestalten, um eine reibungslose Zeremonie zu unterstützen.
  • Smartphone ausschalten. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber in der heutigen Zeit, wo das Smartphone bei den meiste Leuten immer griffweite ist, sollte man explizit darauf achten, das Gerät vor betreten des Teegartens auszuschalten oder wenigstens auf lautlos zu stellen und irgendwo außerhalb der Reichweite aufbewahren. Der Garten soll ja dazu dienen, die reale Welt abzustreifen, also ist dies wohl auch ein geeigneter Ort hierfür.
  • Das Teetrinken: Wenn der Gastgeber für jeden Gast eine eigenen Tee bereitet, wird erwartet, dass man den Inhalt der Schale ohne Absetzen austrinkt. Der reine Matcha ist recht bitter, daher sollte man sich darauf mental vorbereiten. Um das bittere des Grüntees abzumildern werden zu dem Tee häufig sehr süße, traditionelle japanische Süßigkeiten gereicht. Aber Achtung: Wenn der Gastgeber nur eine Teeschale bereitet, soll man nur einen Schluck nehmen, seinen “Lippenabdruck” mit dem Teetuch reinigen. Dann setzt man die Teeschale vorne links vor dem eigenen Sitzplatz ab und reicht sie somit zu dem nächsten Gast zu seiner Linken weiter. Von dort nimmt der Sitznachbar sie dann auf.

 

Das ist Wanamour!

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