Verglichen mit Ländern wie China oder Indien ist Taiwan wahrlich ein winziges Teeanbaugebiet, welches in der Teewelt dafür umso mehr Aufmerksamkeit erzeugt. Wir von den Friends of Tea lieben Tee aus Taiwan, weshalb wir euch heute etwas mehr über den Anbau und die Veredelung von taiwanesischem Oolong erzählen wollen! 

Der Anbau 

Die Teeproduktion in Taiwan ist stark von kleinen Familienbetrieben geprägt. Wer hier riesige industriell angelegte Teefelder erwartet, such hier vergebens. Besonders bekannt ist Taiwan für seine High Mountain Tees, also alle Tees, welche in den hohen Bergen auf bis zu 2800 Metern über den Meeresspiegel wachsen! In diesen Höhen befindet sich weniger Sauerstoff in der Luft, was wiederum zu langsameren Pflanzenwachstum und dadurch zu einem weicheren, angenehmeren Tee führt. Wenn ihr ganz detailliert wissen möchtet, was High Mountain Oolong ist, haben wir hier darüber schon einen ausführlichen Artikel für euch geschrieben!

An taiwanesischem Oolong ist aber nicht nur besonders wo er wächst, sondern auch aus was er letztendlich hergestellt wird. Für die allermeisten Teesorten wird two leaves and a bud gepflückt, also die zwei jüngsten Triebe der Teepflanze und dazu noch eine zarte Knospe. Die Taiwanese dachten sich aber wohl „das reicht uns nicht!“ und pflücken den Oolong pick, welcher aus den obersten 4 bis 5 Blättern des Teestrauchs besteht. Diese größeren Blätter haben einen verleihen dem fertigen Oolong einen wesentlich runderen Geschmack und sind weniger Bitter.

Handarbeit für den perfekten Tee

Für einen hervorragenden taiwanesischen Oolong ist auch wichtig, wie er gepflückt wurde, denn im Gegensatz zu den Japanern haben die Taiwanesen das mit Maschinen noch nicht perfektioniert. Nur einfache Qualitäten aus den Tiefebenen Taiwans werden mit Maschinen gepflückt, wirklich guter Tee ist und bleibt hier aber feinste Handarbeit. Ob ein Taiwan Oolong mit der Hand gepflückt wurde, kann man sogar ganz einfach selber überprüfen! Da für Oolong meist mehr Blätter geerntet werden, sind die Äste der Teesträucher an der gewünschten Stelle etwas dicker und können nicht so einfach mit der Hand gelöst werden. Daher haben die Pflückerinnen und Taiwan kleine Rasiermesser am Daumen. Das Blattmaterial wird dann mit Daumen und Zeigefinger mit einem vertikalen Schnitt abgetrennt. Von Maschinen gepflückter Tee hat dagegen immer einen sauberen, horizontalen Schnitt!

Die Produktion

Die Teefarmen in Taiwan sind oft eher klein, und Familiengeführte Betriebe können sich die großen und modernen Maschinen für die Weiterverarbeitung oft nicht leisten ober haben schlicht keinen Platz für diese. Deshalb wird das gepflückte Blattmaterial an lokale Spezialisten weitergegeben, welche für die Anbauenden in der Umgebung den Tee fertig produzieren. Das Verhältnis zwischen allen Produzierenden ist oftmals ziemlich persönlich und alle arbeiten eng miteinander zusammen, was jedem Tee einen ganz eigenen Charakter verleiht. 

Das frisch geerntete Blattmaterial wird nach der Ernte in einer großen Halle ausgebreitet, um zu welken. Von unten wird den Blättern konstant frische Luft zugeführt, wodurch der Welkprozess konstant gehalten wird und das Blattmaterial weiterhin frisch bleibt. Durch das Welken verlieren die Blätter einen Teil ihres Wassergehalts und werden elastischer, was die Weiterverarbeitung erleichtert.

 Im Anschluss werden die Blätter auf runden Bambusmatten für die Oxidation ausgelegt. Auch hier ist für eine gleichmäßige Qualität wichtig, dass die Blätter regelmäßig gewendet und geschüttelt werden. Ist der perfekte Oxidationspunk erreicht, folgt der Arbeitsschritt, welcher einen klassischen Taiwan Oolong erst zu dem macht, was er ist: das Rollen.

Zubereitung von Oolong Tee
Frische Blätter werden zum Welken ausgelegt

Für den Rollvorgang werden viele Blätter zusammen in einen Stoffsack gesteckt, welcher danach extrem fest zu einer runden Kugel zusammen gepresst wird und anschließend gerollt wird. Wiederholt man diesen Vorgang ein paar Male, kommen am Ende kleine runde Kügelchen dabei heraus. Der High Mountain Oolong ist geboren! Zu guter Letzt wird der Tee noch getrocknet, um eine weitere Oxidation zu verhindern.